Die böse Demographie

Breaking news! Sadistische Vergewaltiger sind nicht schuld an ihren Verbrechen – schuld ist das Geschlechterverhältnis!

Zumindest scheint das in Indien der Fall zu sein, wenn man diesem und zahlreichen anderen Artikeln in der taz zu diesem Thema glaubt. Dadurch, dass die Frauen in Indien vor 20 oder 30 Jahren zu viele weibliche Embryos abgetrieben haben, fehlen im Land nun junge Frauen, was die Männer dazu antreibt, die verbleibenden Mädchen zu vergewaltigen. Logisch, oder? Jeder Mann ist ein Vergewaltiger, wenn er keine Freundin hat. Aber sie können natürlich nichts dafür. Schuld sind die Frauen, die zu wenig andere Frauen in die Welt setzen und den armen Männern keine Triebableiter bieten.

Nun, offenbar stimmt es, dass es in Indien mehr Männer gibt als Frauen (alternative, aber vielleicht etwas zweifelhafte Quelle hier). Genau genommen, 6 bis 8%. Aber wie kommt der Autor auf die Idee, damit Vergewaltigungen zu erklären? Er bezieht sich auf zwei Quellen. 1: Indische Polizei glaubt das. Und 2:

“Viele Soziologen behaupten, dass Frauenmangel auf die Dauer zu höherer Gewaltbereitschaft unter Männern führt.”

Ach echt? Viele Soziologen behaupten? Das ist eine großartige Rechercheleistung. Könnt ihr mir dann wenigstens einen nennen?

Was ist nun mit Südafrika? Vor einiger Zeit hat die taz über eine brutale Vergewaltigung und Mord an einem 17-jährigen Mädchen dort berichtet. Dumm nur, dass es in Südafrika mehr Frauen gibt als Männer.

Das gleiche gilt noch viel mehr für Russland. Es gibt dort sogar wesentlich mehr Frauen als Männer. Vor kurzem hat die taz einen Artikel veröffentlicht, nach dem fast 90% der Frauen in Russland häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Und mehr noch:

“Soziologen ermittelten, dass 22 Prozent der Frauen in Russland einmal vergewaltigt wurden, aber nur 8 Prozent die Vergewaltigung auch anzeigen.”

Ich kenne die Situation in Russland nicht nur aus der Zeitung und glaube sofort, dass das stimmt. Trotzdem wüsste ich auch hier gerne, was für Soziologen auf welche Weise was genau ermittelt haben. Gerade bei solchen Themen wäre die Zuverlässigkeit der Informationen doch am wichtigsten. Es geht um sadistische Gewalt und Foltermorde.

Aber das Schicksal der Opfer scheint die taz-Redaktion, wie leider schon so oft, nicht sonderlich zu interessieren. Wie kommt sie sonst auf die Idee, solche Kommentare freizuschalten?

“So leid einem solche Vergewaltigungsopfer tun können -… wer jetzt noch als Rucksacktouristin (auch in männlicher Begleitung) durch Indien reisen will , die muß schon mit dem bekannten Klammerbeutel gepudert sein .”

Mir fehlen die Worte. Die ganze Redaktion scheint weder Gewalterfahrungen zu haben noch Menschen zu kennen, die welche haben. Ich kann mir sonst nicht erklären, wie man einen solchen menschenverachtenden Müll freischalten kann – und auch in den eigenen Artikeln andeuten. Die taz schmeißt zum hundertsten Mal ihre eigenen Ansprüche in die Tonne.

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Die böse Demographie

  1. Diese Aussage “Je weniger Frauen es gibt, desto mehr Männer werden aggressiv und vergewaltigen.” ist eigentlich eine Beleidigung der Männer – aber zumindest belegungsbedürftig.

    Es soll doch tatsächlich eine überwältigend große Mehrheit von Männern geben, die mit ihren sexuellen Bedürfnisse so umgehen, dass dabei NIEMAND zu schaden kommt. Die vielleicht sogar so etwas wie Selbstkontrolle besitzen. Habe ich jedenfalls gehört.

    • Ja, ich fand die Unterstellung auch sehr problematisch, beiden Geschlechtern gegenüber.
      Musste dabei an deine Statistik-Reihe denken. Von wegen, Korrelation und Kausalität…

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