Sprachlos. Mal wieder.

Was ist nun genau passiert auf taz.lab vor anderthalb Wochen? Die Darstellungen der Beteiligten sind zum Teil so unterschiedlich, dass es schwer fällt, sich ein klares Bild davon zu machen, wenn man nicht dabei gewesen ist. Oder doch nicht?

Ich überlasse das Wort den Menschen, die dabei gewesen sind, wie dieser Kommentator (die Kommentarfunktion auf taz.de erfüllt ausnahmsweise mal ihren Zweck):

 

  • “22.04.2013 19:21 Uhr

    von Carl Camurça:

    Die Veranstaltung war eine Katastrophe. Herr Y. hat nach der Intervention einiger Schwarzer im Publikum auf die x-te Aufforderung, diesmal durch eine Schwarzen Jungen, das N-Wort nicht so exzessiv und extra zu verwenden, angefangen zu brüllen, Er hat die ZuschauerInnen nach dem schmerzhaften N-Wort noch beleidigt, was in dem Satz “Geh doch bügeln” gipfelte. Da reichte es Frau O[…], Vorstand der ISD, Aktivistin, Autorin etc. pp. und sie verließ, mit allen Schwarzen ZuschauerInnen, die Veranstaltung.
    In der nachfolgenden Diskussion haben wir uns zuerst um das Heilen unserer Verletzungen gekümmert. Dann kam die bittere (vorläufige) Erkenntnis, dass der grausame Gewaltakt von Herrn Y. höchstwahrscheinlich ohne persönliche Konsequenzen für ihn bleiben wird. Die Hoffnung, dass die taz einen entschlossenen Schritt gegen Rassismus eben auch in den eigenen Reihen geht, und Herrn Y. empfindlich und merklich bestraft, ist sehr gering.
    Gerne lassen ich mich vom Gegenteil überzeugen und erwarte die Reaktion der taz.
    PS: Ich verweise darauf, dass ich mir eine Veröffentlichung dieses Briefes und der Reaktion darauf vorbehalte.”

 

Hier ist der etwas ausführlichere Bericht von der Veranstaltung auf dem feministischen Blog Mädchenmannschaft.

Mittlerweile hat Sharon O. ihre eigene Darstellung in der taz veröffentlicht, die ich hier nicht noch einmal wiedergeben möchte: Sie selbst weiß am besten, was passiert ist, und ich denke, besser kann ich das Problem als Nicht-Beteiligte auch nicht beschreiben. Von mir hat die Autorin mein absolutes Verständnis und großen Respekt vor ihrem Mut.

Wie so etwas nur passieren konnte, weiß der gewalttätige Moderator Deniz Y. wohl allein. Wenn alle Menschen, die keine Lust haben, öffentlich beleidigt zu werden oder zuzusehen, wie andere beleidigt werden, seiner Meinung nach “bügeln gehen” sollen, lautet mein herzlicher Rat zurück: Geh’ zum Psychiater!

Warum nun die taz-Redaktion in ihrer Stellungnahme behauptet, Deniz Y. hätte sich entschuldigt, ist mir übrigens schleierhaft. Verwiesen wird auf diese Kolumne, in der ich beim besten Willen kein Bedauern, sondern nur noch neue rassistische Beleidigungen sehe, wobei diesmal nicht nur Menschen mit dunkler Haut betroffen sind, sondern so ziemlich alle: So wie ich den Autor Täter verstehe, hat eigentlich niemand das Recht, rassistischen Sprachgebrauch zu kritisieren: Schwarze Menschen nicht, sie sind dafür einfach zu sehr in ihrer Opferrolle gefangen, und die “käsebleichen Student_innen” erst recht nicht – ist ja klar, falsche Hautfarbe…

Rassismus in der taz ist ein altes Thema. Aber noch nie habe ich dort Texte lesen müssen, die vor lauter Rassismus keinen anderen Inhalt mehr haben. Mal wieder etwas dazu gelernt. Es geht immer noch schlimmer.

2 Gedanken zu “Sprachlos. Mal wieder.

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