Wenn aus Tätern Opfer werden

Ein Artikel sollte informieren, analysieren und vielleicht auch eine Meinung vertreten. Wichtig dabei ist es, sich auf das Thema zu fokussieren und eine nachvollziehbare Berichterstattung zu schaffen, welche den/die LeserIn weiterbringt. Wichtig ist dabei auch, niemanden zu verletzen und alle Betroffenen mit Respekt zu behandeln.

Aber auch das Gegenteil ist möglich, wie die taz vom 30.04.2013 beweist. Im Artikel “Der Hypnose erlegen” berichtet der Autor über die Vergabe des Henri-Nannen-Preises an eine Jornalistin, die einen auch aus der Sicht des Autos sehr guten Artikel über einen Menschen der an Pädophile leidet, geschrieben hat. Im Vordergrund dabei steht jedoch die Kritik an der Jury, dem umgang mit dem Thema und dem Projekt „Kein Täter werden“.

Dabei versucht der Autor, die Opfer pädosexueller Gewalt gegen den vermeintlichen Täter, der, bevor er einem Kind Leid zugefügt hat, sich therapieren lassen will, auszuspielen. Dabei ist es gar keine Frage, dass, wie der Autor schreibt, es ein Skandal ist, dass kein Geld für viele der Opfer bereitgestellt wird. Völlig unklar bleibt jedoch, warum die Mittel für das Programm, das Menschen davon abhalten soll, Täter zu werden, ein Grund dafür sein soll.

Schon der Titel der Reportage die ausgezeichnet wurde, “Der Getriebene”, lässt natürlich darauf schließen, dass dem potenziellen Täter jede Verantwortung für sein Handeln abgesprochen wird. Aber gerade dadurch dass er einen anderen Weg gefunden hat, nämlich die Beratungsstelle in Berlin, zeigt doch, dass es durchaus für jeden auch andere Möglichkeiten gibt und sie nicht Getriebene, sondern Handelnde sind, die sich auch richtig entscheiden können.

Besonders problematisch an diesem Artikel ist, dass Menschen die nie einem Menschen  Leid angetan haben, gleichgesetzt werden mit den Tätern, die teilweise Hunderte von Menschen gequält haben. Dass der Mensch aus der Reportage doch schon durch den Konsum von kinderpornografischen Filmen auch Täter geworden ist, kann man dabei nicht einfach auf alle Menschen beziehen, die sich helfen lassen wollen.

Der Autor der taz fordert zu Recht, dass Opfer mehr im Mittelpunkt stehen sollen, aber er übersieht, dass auch Pädophile Opfer ihrer Natur sind und nicht Täter sein müssen. Und das es gerade um die Opfer geht, wenn man potienziellen Tätern hilft. Den Opfern, die es deswegen nie geben wird.

Der Artikel überschlägt sich so sehr vor Wut, dass sogar behauptet wird:

die potenziellen Täter(bekommen) Geld, Verständnis und einen herausragend wichtigen Preis.

Höchstens das Verständnis können potenzielle Täter aus diesem Artikel überhaupt bekommen. Das Geld kriegen nur die Therapeuten, den Preis bekam die Journalistin. Wie man vor Wut so sehr die Realität aus den Augen verlieren kann, ist mir schleierhaft.

Wer das ganze übrigens besser verstehen will, muss dazu den Orginalartikel in der Zeit lesen. Denn durch den Artikel in der taz wird man nicht informiert. Mehr als ein unverständliches Wutgefühl des Autors wird nicht deutlich. Und das hilft niemandem.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>