Sechs, setzen!

Ein Artikel soll informieren, zum Denken anregen und eventuell sogar eine eigene Meinung widerspiegeln.

Auch eine Rezension sollte so aufgebaut sein. Leider schafft es die Rezension des Filmes “Alphabet“ zwar ein wenig, die Lesenden über den Film zu informieren, aber die Arbeitsweise des Autors steht der Kritik am Film in nichts nach, wobei der Autor dabei auch noch Klischees bedient, die eigentlich nichts in der taz verloren haben:

Um diese Verschwörungsthese zu belegen, reiht Wagenhofer Einzelbeispiele, die ziemlich wenig gemeinsam haben. […] Wagenhofer suggeriert, dass solcherlei Einzelfälle tatsächlich als Muster für alle taugen könnten – für Bildungsbürgerkinder ebenso wie für Neuköllner Migrantenjungen ohne Bibliothek im Elternhaus.”

Die Meinung wird deutlich dadurch, dass der Autor den Film gleich mit einer “Verschwörungstherorie” gleichsetzt. Als Beleg dafür wird angeführt, dass der Professor, der die Thesen des Films unterstützt, keinen eigenen Lehrstuhl hat und nicht im “Exzellenzcluster” der Uni Göttingen mitmacht. Dass dies vielleicht auch entgegen seinen Vortellungen sein könnte, wird dabei nicht thematisiert. Überhaupt ist es verwunderlich, wenn Forschungsergebnisse nicht aufgrund wissenschaftlicher Kritik angezweifelt werden, sondern weil die Reputation nach Meinung des Autors nicht exzellent genug ist. Sollte also jemand aus dem Exzellenzcluster behaupten, Frauen wären dümmer als Männer, hätte ihm der Autor vermutlich sofort geglaubt.

Korrekt weist der Autor darauf hin, dass die wissenschaftlichen Methoden im Film nicht ausreichend erklärt werden, um dann selbst zwei Sätze zusammenzubringen, die mir auch nicht einleuchten:

“Jedes zusätzliche Schuljahr bringt mehr Punkte beim IQ. Die Intelligenz fällt nicht etwa von Generation zu Generation, sondern steigt tendenziell.”

Selbst wenn man IQ mit intelligenz gleichsetzt, ist es alles andere als wissenschaftlich, anzudeuten, dass ein steigender IQ zwischen Generationen auf die Schule zurückzuführen ist. Der Autor weigert sich aber eh zu unterscheiden und behauptet doch glatt:

“Die diffuse Grundsätzlichkeit ist ohnehin ein Merkmal aller neuen Schulkritiker.”

Ein Merkmal, das gleich ALLE neuen Schulkritiker haben, beweist vor allem die Allwissenheit des Autors. Weiter findet er, dass die Pädagogik der Reformschulen ein Problem ist, weil

“eine solche Pädagogik vor allem dem Nachwuchs des Bürgertums nutzt und die Ungleichheit der Bildungschancen womöglich eher vergrößert, wird nicht weiter gesehen.”

Wie kann denn die Bildung in diesen Privatschulen die Ungleichheit vergrößern, wenn sie gar nicht besser ist als die der staatlichen Schulen? Warum wäre diese Schule nichts für den “Neuköllner Migrantenjungen ohne Bibliothek im Elternhaus”? Weil diese Menschen seinem menschenfeindlichen Klischee nach per definitionem zu blöd sind, so etwas zu lernen?

Daher stelle ich fest, dass der Artikel mich nicht klüger macht, aber vor allem weder der journalistischen Sorgfaltspflicht nachkommt noch hilft, Bildungsprobleme zu erkennen oder zu bekämpen.

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