Verwirrung hoch drei

Eine Zeitung ist immer auch eine Dienstleistung. Sie bekommt Geld und dafür informiert sie über Dinge, die wichtig sind. Sie bietet dazu Hintergründe, Recherchen, Interviews und vieles mehr und nimmt einem damit die Arbeit ab, selbst Informationen aufzuarbeiten.

Dazu gehört auch das Thema der Bahnreform, die 1994 aus den ehemaligen Staatsbahnen eine Aktiengesellschaft machte. Ein Thema, das durchaus interessant ist und zu dem man sicher auch unterschiedliche Positionen haben kann.

Die taz schafft es jedoch, einem die Arbeit zu dem Thema nicht abzunehmen, sondern zu erschweren. Das liegt an drei Artikeln, die zu dem Thema erschienen sind. Am 28. Dezember in der Beilage Kontext unter dem Titel “Der DB-Kunde als Feind” (Ab nun bezeichnet mit [1]) sowie zwei Artikeln auf einer Seite die am 2. Januar erschienen sind und die Frage “Ist die Bahn besser als früher” mit “Ja”[2] und “Nein”[3] beantworten.

Ich möchte mich jetzt gar nicht inhaltlich zu der Frage äußern, ob z.B. eine technische Weiterentwicklung der Züge seit 1994 wirklich Fortschritt bedeutet oder ob es für Deutschland gut, ist wenn ein staatseigener Konzern in andere Staaten expandiert. Stattdessen möchte ich einige Fakten der drei Artikel nebeneinanderstellen.

In Artikel [2] wird erwähnt, dass die ICEs geräumiger sind; in [1] wird von einer Reduktion der Sitzabstände in ICEs von 17% innerhalb 25 Jahren geschrieben.

In [2] steht, dass die Bahn ihre Verkehrsleistung auf 37,6 Millionen Personenkilometer im Jahr 2013 gesteigert hat. Da in [3] steht, dass sie 2012 (vermutlich vergleichbar mit 2013) 131 Millionen Passagiere im Fernverkehr hatte, ist also jeder Passagier etwa 287 Meter weit gefahren. Und das im Fernverkehr.

Im Artikel [1] steht, dass etwa 7000 Bahnkilometer und 3000 Bahnöfe aufgegeben wurden. Im Artikel [3] sind es nur noch 1500 Bahnhöfe.

Auch irritiert, dass einige Zahlen sehr gerundet scheinen. So steht in [1], dass es eine Halbierung der Beschäftigungszahlen gab, in [3] ist es ein Rückgang von 320 000 auf 190 000 (ca 40% weniger).

Und aus Zeitgründen habe ich jetzt nicht wetere Wiedersprüche gesucht…

Alles in allem könnte man mit diesen 3 Artikeln ein gutes Bild bekommen, wenn sie sich nicht widersprechen würden. Gerade für ein Titelthema, das am 2. Januar groß angekündigt wird, ist es sehr peinlich, wenn die Autoren scheinbar noch nicht mal den in der eigenen Beilage erschienenen Artikel vom 28 Dezember gelesen haben, der viel umfangreicher ist.
Dazu fehlt einfach ein guter Faktenartikel als Übersicht am 2. Januar. Die Meinung kann man dann ja noch hinzufügen. So wird das jedenfalls nichts mit Qualitätsjournalismus.

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