Unter der Gürtellinie

Dass man eine solche Umfrage ausgerechnet am 1. April veröffentlicht, erschien schon verdächtig: Ein Witz vielleicht? Wenn, dann ein verdammt schlechter. Da ruft ein männlicher taz-Autor die Leser tatsächlich dazu auf, ihre Meinung zum weiblichen Haarwuchs im Intimbereich kundzutun.

Leider war das wohl ernst gemeint. In der gedruckten Ausgabe der sonntaz und auch online sind gestern die Ergebnisse der Umfrage erschienen, die weibliche Körper einfach selbstverständlich zum öffentlichen Eigentum erklärt. Es geht schließlich darum, ob Frauen sich die Schamhaare entfernen sollten. Es wird nicht unter Frauen diskutiert, ob sie das (und wenn ja, gerne) tun, nein, es werden unter Anderem Männer dazu angeregt, ihre Forderungen an die Körper der Frauen zu artikulieren: “Finden Sie mehr Haar bei Frauen sexy?” Als einer der Interview-Partner fungiert ein Playboy, der Körperbehaarung bei Frauen nicht nur “unsexy”, sondern (explizit im Gegensatz zu Männern) auch unhygienisch findet, weil sie Krankheitserreger übertragen soll.

Eine Studie aus Leipzig wird herangezogen, um zu beweisen, dass das eh schon fast alle Frauen tun. Die Studie stammt aus dem Jahr 2008, wobei die Stichprobe ausschließlich aus Studierenden mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren bestand. Und diese Studie, an sich schon kaum repräsentativ, wird vom Autor Christoph F. auch noch um die Hälfte ihrer Ergebnisse gekürzt: Das Team an der Uni Leipzig hatte nämlich nicht nur junge Frauen, sondern auch Männer danach gefragt, ob sie sich bestimmte Körperstellen rasieren. Scheint die taz aber nicht zu interessieren. War ja klar, bei Männern ist das ja Privatsache.

Beleidigend ist wohl das mindeste, was solche Artikel für eine Frau mit auch nur einem Körnchen Selbstwertgefühl sind. Abgesehen davon, dass ein solcher “Journalismus” so geschmaklos ist, dass der Lieblingsvorwurf der taz-Leser – “Das ist ja BILD-Niveau!” – in dem Fall noch völlig untertrieben scheint, transportiert diese Möchtegern-Debatte zwei aus meiner Sicht gefährliche, potenziell gewaltverherrlichende Botschaften.

Erstens ist ein weiblicher Körper, wie gesagt, ein öffentliches Eigentum, ja ein öffentlicher Schauplatz sogar. Dass Männer sich anmaßen, Frauen offen zu erzählen, wie sie auszusehen haben, um sie zu befriediegen, steht definitiv in keiner guten Tradition, und ich muss zugeben, ich war so naiv, zu glauben, dass die Tradition zumindest in den linken Kreisen nicht mehr so präsent wäre. Da ist er ja wieder, der gute alte Sexismus aus dem 20. Jahrhundert! Was Männer von ihrem Körper halten und was sie mit ihm machen, ist alles völlig freiwillig und privat. Eine Frau gehört nie ganz sich selbst, wo kämen wir denn hin, wenn wir Frauen einfach sich selbst überlassen!

Zweitens muss eine Frau etwas ganz Schlimmes sein. Dreck! Gesundheitsgefahr! Die Pest in den Schamhaaren! Anders kann man sich wohl kaum erklären, warum Körperhaare bei Männern kein hygienisches Problem darstellen, bei Frauen hingegen sofort mit Schmutz und Krankheit assoziiert werden. Dass die taz ausgerechnet solchen Meinungen eine Plattform bietet, versetzt sie ideologisch noch nicht mal ins 20. Jahrhundert. Eher ins 15.

Während ich mich abrege und versuche, meinen Brechreiz zu unterdrücken, möchte ich den Kollegen von der taz vorschlagen: Finger raus aus unserer Unterwäsche und geht euch doch mal die Hoden rasieren.

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